Elternverein Baden-Württemberg e.V. fordert eine Bildungsinitiative

Elternverein Baden-Württemberg e.V. fordert eine Bildungsinitiative für Kindertageseinrichtungen von 0 bis 6 Jahren

Boxberg/Stuttgart 03.04.2001Das Europäische Projekt des Elternvereins Baden-Württemberg e.V.

"Die Bedeutung und Förderung der vorschulischen Erziehung und Bildung" ein Vergleich in Deutschland/Frankreich/Luxemburg 
geht gemeinsame Wege mit Luxemburg und Frankreich in der Frage der Frühpädagogik, so Dr. Renate Heinisch die Vorsitzende des Elternvereins und Leiterin des Projektes.Alle jüngeren Diskussionen im Bildungsbereich über die weitere Entwicklung der Informationsgesellschaft (Weißbuch Delors, "Europäisches Jahr für Lebensbegleitendes Lernen 1996", Weißbuch "Lehren und lernen – auf dem Weg zur kognitiven Gesellschaft"...) haben ergeben, dass die Konzepte "Bildung, Ausbildung und Weiterbildung" neu überdacht und modernen Anforderungen angepaßt werden müssen. Dabei entstanden viele Forderungen nach Umstellungen im Primarschulbereich und nach einer verbesserten Information und Einbindung aller Verantwortlichen in veränderte Lernkonzeptionen. Das Projekt möchte das Verständnis der Eltern für Fragestellungen des vorschulischen Bereichs stärken und zugleich durch den Einsatz moderner Technologien in der Früherkennung von Leistungsstörungen tätig werden.Beim 2. Expertentreffen der Projektpartner diskutierten hochrangige Experten, Vertreter der Verbände, der Träger von Tageseinrichtungen der Kinder, der Ministerien, Eltern, Erzieherinnen, Lehrer/innen aus den Bundesländern Baden-Württemberg, NRW, Sachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Bayern.Die Inputs und Fachbeiträge zeigten hohe fachliche Kompetenz und wurden durch die Berichte aus Luxemburg und Frankreich auf die zentrale Frage focusiert: 

Hat Bildung in unseren Tageseinrichtungen für Kinder ihren angemessenen Stellenwert?

Professor Dr. Liegle von der Universität Tübingen betonte: "Es ist eine alte Einsicht, dass Bildung im wesentlichen Selbst-Bildung ist und dass dies ganz besonders für den Menschen in seinen ersten Lebensjahren zutrifft, dass also das kleine Kind in ungleich höherem Maße sein eigener Lehrmeister ist als es später der Schüler sein wird. Für diese Einsicht brauchen wir uns nicht mehr allein den romantischen Blick auf das Kind zu eigen zu machen, den wir etwa von Friedrich Fröbel oder Maria Montessori kennen. Wir können heute ausserdem mit dem nüchternen Blick der modernen Hirnforschung hinschauen. Sie formuliert die alte Einsicht auf der Grundlage neuer Erkenntnisse: Bildung, Lernen – das meint selbstorganisierte Verarbeitung von Informationen und Erfahrungen.Vom Anfang des Lebenslaufs an haben wir es also mit einem aktiven Selbst zu tun, das seine Bildungsprozesse selbstorganisiert und selbststätig voranbringt.""Das ist die Grundlage für und der Beginn des Lebenslangen Lernens", so Dr. Renate Heinisch. Bildung hat in Tageseinrichtungen für Kinder aber eine andere Dimension als in der Schule. Nach Professor Dr. Liegle: Ist mit "Bildung" nicht Belehrung gemeint – denn kleine Kinder sind noch mehr als andere Menschen ihre eigenen Lehrmeister -, sondern mit "Bildung" ist gemeint: den Kindern möglichst viele und vielfältige förderliche Gelegenheiten bieten für ihre Bildungsabenteuer: Gelegenheiten und Herausforderungen in Gestalt von Spiel- und Lernmaterialien, umgestaltbaren Räumen, musischen und ästhetischen Aktivitäten, kleinen Forschungs- und Praxisaufgaben, Erkundungsgängen und sozialen Situationen."Das unterstreicht auch die Ergebnisse von Donata Elschenbroich in ihrem Buch "Das Weltwissen der Siebenjährigen", mit dem sich die Experten intensiv auseinandersetzten.

Der Elternverein Baden-Württemberg e.V. fordert deshalb:

  • eine Bildungsinitiative für Kinder in Tageseinrichtungen von 0-6 Jahren mit Schwerpunkten u.a. im Bereich der Musik- und Sprachförderung
  • neue Aufarbeitung der Grundlagen der Frühpädagogik
  • eine Qualitätsinitiative für Tageseinrichtungen für Kinder
  • bei der Realisierung von Vereinbarkeit Familie – Beruf die Einrichtungen nicht auf Betreuung von Kindern zu reduzieren, sondern den Bildungsauftrag zu betonen
  • gemeinsame Weiter- und Fortbildungsangebote für Eltern/Erzieherinnen und Grundschullehrer/innen

Das Europäische Projekt läuft noch bis Ende 2001, die Ergebnisse werden in einer Datenbank erfaßt.

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