Raphael

Das Programm RAPHAEL verfolgt das Ziel, europäisch ausgerichtete Maßnahmen zur Erhaltung des Kulturerbes zu fördern. Unter Kulturerbe sind hier Kulturgüter, archäologische Kulturgüter, Museen, Museumssammlungen sowie Archivbestände u.ä. zu verstehen. Erleichtert werden soll die Erhaltung wichtiger Kulturgüter mithilfe "Europäischer Laboratorien für das Kulturerbe".

Ebenfalls gefördert werden sollen der gemeinschaftliche Erwerb und das Management bedeutender Kunstwerke durch mehrere Mitgliedsstaaten sowie europäische Workshops zum Thema "Kulturerbe". Hier soll an bedeutenden Fragen der Erhaltung von Kulturgütern gearbeitet werden. Dies zieht zum Beispiel die Förderung des Einsatzes der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien nach sich. Auch die Konzeption mehrsprachiger Präsentation in Museen, Denkmälern und historischen Stätten soll unterstützt werden.

Ein weiterer Aktionsbereich betrifft die internationale Zusammenarbeit bei der Erhaltung des Kulturerbes. Theoretisches Wissen über die technischen Verfahrensweisen soll auf europäischer Ebene mit praktischem Know-How gebündelt werden. Dazu soll die Mobilität der Fachkräfte gefördert werden, die mit dem Schutz des Kulturerbes befaßt sind. Darüber hinaus soll ein Ideen- und Erfahrungsaustausch durch grenzübergreifende Netzwerke und Partnerschaften gefördert werden.

Das Kulturerbe ist sowohl Ausdruck der Vielfalt der Identitäten als auch des Austausches zwischen den Kulturen. Die Aktionen der EU in diesem Bereich können daher einen besonderen Beitrag leisten zur Verwirklichung einer immer engeren Union der Völker Europas, wie sie im Art. A des Vertrages über die EU vorgesehen ist und wie wir sie uns auch alle wünschen.

Das Kulturerbe ist durch Austausch und wechselseitigen Einfluß im Laufe der Jahrhunderte gewachsen. Es weit daher Merkmale auf, die über nationale und regionale Eigenheiten hinausgehen. Dieses Wechselspiel ist gut geeignet, dem Bürger seine regionale, nationale und vor allem auch europäische Zugehörigkeit erfahrbar zu machen. Hinzu kommt, daß die Probleme der Erhaltung und des Managements des Kulturerbes sozusagen grenzenlos sind. Schon deshalb ist eine Bündelung von Expertenwissen sinnvoll. So können sachgerechte Entscheidungen getroffen werden und wir vermeiden kostspielige Doppelarbeit.

Ein weiteres Argument für die geplanten Aktionen sind die bedeutenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen, die mit dem Schutz des Kulturerbes verbunden sind - denken wir nur an die positiven Effekte auf den Arbeitsmarkt aufgrund des großen Bedarfs an qualifizierten Fachkräften: Architekten, Archivare, Kunsthistoriker und Konservatoren für Konzeption und Management werden ebenso benötigt wie Restauratoren, Handwerker, Museumsmitarbeiter usw. für die Ausführung der Projekte. Hinzu kommt de gesamte Bereich der fachlichen und didaktischen Erschließung von Museen, die Präsentation des kulturellen Erbes, Dienstleistungsangebote für die Öffentlichkeit etc. - hier tun sich im übrigen auch interessante Möglichkeiten für neue Medien und Kommunikationstechnologien auf.

Um die Aktionen der EU im Rahmen der Erhaltung des kulturellen Erbes auf eine sinnvolle Grundlage zu stellen, hat das Europäische Parlament vorgeschlagen, das europäische unbewegliche Kulturerbe zu inventarisieren. Das Parlament setzt sich des weiteren dafür ein, eine Aufstellung über sämtliche gestohlene oder beschädigte Kulturgüter anzufertigen, um die Wiedererlangung bzw. Restaurierung zu erleichtern. Daneben soll ein Leitfaden veröffentlicht werden, der die in den Mitgliedsstaaten anzuwendenden Rechts- und Verwaltungsvorschriften für den Bereich der Kulturgüter beinhaltet. Die Kommission wurde aufgefordert, dafür zu sorgen, daß das Programm RAPHAEL mit anderen Kultur- und Bildungs-Programmen kohärent ist, besonders, was die Schulung von Fachkräften beispielsweise im Rahmen vonLEONARDO angeht. Um die Programme bekannter zu machen, sollen in jedem Mitgliedsstaat Informationsstellen eingerichtet werden, sofern es sie noch nicht gibt.

Weitere Informationen über die Bildungsprogramme der Europäischen Union finden sie auf der Homepage der Europäischen Kommission DG XXII

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